Fotografieren mit Kindern

Draufdrücken und das Bild ist festgehalten – die Grimasse, der Hund der Nachbarin, die Lieblingspuppe: Für Kinder ist die Fotografie ein Riesenspaß, ein Riesengeheimnis und vielleicht auch der Einstieg in die ernsthafte Beschäftigung mit einer Leidenschaft, die sie ihr Leben lang nicht mehr loslässt. Wenn es also um das Fotografieren mit Kindern geht, soll die Frage im Vordergrund stehen: Was brauchen sie (und nicht wir, die Erwachsenen), damit sie Spaß daran haben – und das länger und nicht nur für den Moment. Es geht – und das sollte man an dieser Stelle vielleicht betonen – nicht um das Fotografieren mit Kinden in dem Sinne, dass Kinder die Models sind. Sondern darum, ihnen den Zugang zu ermöglichen und sie – auch wenn es manchmal schwerfällt – einfach nur zu lassen.

Wie Kinder die Welt sehen

Erwachsene mag es manchmal stören, aber Kinder haben eine Gabe, für die die Großen viel Geld in Beratungskursen und Fortbildunge lassen: Sie können sich absolut focussieren auf das, was ihnen gerade wichtig ist – und können damit spielerisch und ohne jeden – sic – erwachsenen Ernst umgehen. Dazu gehört auch die Fotografie. Die Verfügbarkeit von Kameras führt dazu, dass Kinder alles, was ihnen wichtig ist, auf Chip bannen können. Sie können aber nicht nur Schnappschüsse machen. Sie können auch Bildergeschichten mit ihren Lego-Figuren erzählen, den Lieblingsteddy verkleiden oder den Bruder beim Baden fotografieren. Alles mit dem gleichen Spaß, der gleichen Unbefangenheit und der gleichen Freude am – aus Erwachsenensicht – unperfekten Ergebnis.

Sie sehen vielleicht aber auch, mit welchem Ernst ein Erwachsener aus der Familie mit dem Thema Fotografie umgeht, und wie beeindurckend die Ergebnisse sein können. Und manchmal entsteht dann der Wunsch, “das” auch zu können.

 

Mit dem Smartphone – die ersten Schritte

Ich erinnere mich gut an die Faszination, die die Edixa (mit Schachtsucher!) meines Vaters auf mich ausübte. Reingucken, vielleicht auch scharfstellen, das war immer drin. Aber auslösen? Bei dem teuren Film? Der dann auch noch entwickelt werden musste? Daran war selten zu denken. Später dann, vor irgendeiner Klassenfahrt, kam die Agfa “Ritsch-Ratsch-Klick”, und damit die ersten wirklich eigenen Bilder. Unscharf meistens, oft verwackelt, aber in bunt und eben selbst gemacht.

Es ist großartig, dass diese Zeiten zumindest aus Sicht der Kinder vorbei sind. Das Smartphone, auch wenn man das aus medienpädagogischer Sicht beklagen mag, ist meistens zur Hand, und auch wenn Eltern ihre unruhigen Kids gerne mal mit verschiedenen Apps beschäftigen: Die Kamera-App ist, besonders wenn noch andere Kinder im Spiel sind, eine willkommene Alterative. Wenn es dann noch Möglichkeiten gibt, die Schnappschüsse mit Zeichnungen, Emojs oder (geschmacklich manchmal sicher fragwürdigen) Symbolen zu verzieren, kann dies der erste Schritt hin zur “Faszination Fotografie” sein.


Tip 1: Helfen Sie so wenig wie möglich …

Und nur dann, wenn es gewünscht wird. Unsere Erfahrung: Der Tip, beim Auslösen nicht aus Versehen zu verziehen, sondern auch dann das Gerät ruhig zu halten, war willkommen. Alles andere: Entdeckungsreise.


Foto-Apps für Kinder

Braucht es also eigentlich noch spezielle Foto-Apps für Kinder, wenn doch das Smartphone alles kann? Wir glauben: Eigentlich nicht. Und das aus mehreren Gründen: Der Zugang von Kindern zu Apps wird aus Gründen des Datenschutzes, aber auch wegen teilweise merkwürdiger versuche der Monetarisierung zu Recht kritisch gesehen. Nicht selten muss für zusätzliche Funktionen extra bezahlt werden – inApp-Käufe können besonders mit Kindern die Laune verderben. Hinzu kommt: Das, was Kindern an Bildern mit dem Handy Spaß macht – die Bilder zu verfremden, sie mit Stickern, Sprüchen oder merkwürdigen Filtern zu versehen – gehört bei vielen Handys zu den Standardfunktionen der Foto-Apps.

 

Foto-Apps für Kinder (in Auswahl)

  • Die Foto-App im Handy selbst (ohne link)
  • Photo-Booth (in iOs enthalten)
  • PicsArt
  • Keine Foto-App, aber eine gute Quelle für kostenfreie Apps (wenn es denn sein muss) stellen Apps wie AppAdvice da. Hier werden immer wieder Foto-Apps vorgestellt, die für einen bestimmten Zeitraum kostenfrei sind. Hin und wieder findet man hier wirkliche Perlen.


 Tip 2: Die Kinder erzählen eine Geschichte

Dafür brauchen Kinder eigentlich gar keine Anregung – das machen sie ganz von alleine. Kamera oder Smartphone, Liebblingsspielsachen und los geht’s. Für die Erwachsenen manchmal wenig spannend und vielleicht redundant. Für die Kids ein großer Spaß.


Mit Bildern die Geschichte erzählen Klappt eigentlich immer.
Mit der Sony Alpha 5000 ist das Fokussieren kein Problem
Auf Augenhöhe zum Salatosaurus.
Das Setting in der Gesamtansicht
Das Ergebnis: Der Salat gehört gewaschen.
Das Ergebnis: Zwei Forscher auf der Flucht vor dem Salatosaurus.

Teure Technik – in Kinderhände?

Zuallererst: Haben Sie keine Angst. Die Kinder der Blauen Maschine, alle zwischen fünf und acht, bekommen regelmäßig das Equipment ihrer Eltern in die Hand – Kameras und Objektive, die jeweils mehrere tausend Euro kosten. Und das nicht, um die Leistungsfähigkeit der Versicherung zu testen, sondern weil sie damit umgehen können und umgehen wollen. Sie wissen, dass es sich um teure und empfindliche Geräte handelt und behandeln sie entsprechend. Die einzige Regel: Der Kameragurt wird umgehängt, falls die Kamera eben doch mal zu schwer ist. Passiert ist in den letzten 5 Jahren noch nie etwas.

Wenn es überhaupt ein Problem dabei gibt, den Kindern eine Sony Alpha 7/III mit einem Sigma 50mm 1.4 in die Hand zu drücken, dann ist es das Gewicht. Mit Batteriegriff bringt jede große Kamera einiges auf die Waage, und das wird für Kinder dann oft zur Last – und führt zu verwackelten Bildern. Aber das ist nicht schlimm, sondern gehört dazu. Dazu gehört aber auch, zu erklären, was man auf den EVF sehen kann, und welche Farbe zum Beispiel der Focusrahmen haben sollte, wenn man ein Bild machen möchte.

Fotografieren mit Kindern - das kann auch mit Profigerät sein.
Profi-Kamera in Kinderhänden: Groß. schwer, aber mit vielen Funktionen.

Denn wichtiger ist etwas anderes: Die “großen” Kameras bringen Features mit, die die kleinen Kameras, die man Kindern auch dauerhaft überlassen kann, nicht haben. Der Augen-Autofocus hilft nicht nur erwachsenen Fotografen, sondern auch dem Nachwuchs dabei, Bilder so zu machen, dass der Focus dort sitzt, wo man ihn haben will. Und genauso, wie verwackelte Bilder zum Lernprozess gehören, sind gelungene, scharfe Fotos wichtig als Erfolgserlebnis. Und manchmal sind sie so gut, dass sie auch als Titelfoto für einen Blogbeitrag oder als Profilbild auf einer Website genutzt werden können.


 Tip 3: Die Kinder begleiten einen Event

Ganz einfach: Die Kinder fotografieren (nach Lust und Laune) durchgängig bei einem Ereignis und berichten so – ergänzend vielleicht zu dem, was die “Großen” machen – von dem, was da passiert ist. Vielleicht nicht immer im Focus, aber mit garantiert einzigartigen Momenten und aus einem völlig anderen Blickwinkel.


Die Blaue Maschine - unscharf
Die Blaue Maschine – unscharf. Manueller Fokus ist aber auch nicht leicht…

Welche Kamera für Kinder?

Brauchen Kinder denn eigentlich eine eigene Kamera, wenn doch das Smartphone soviel bietet? Die Antwort lautet: Jein. Für den spielerischen Moment reicht das Smartphone der Eltern sicherlich aus. Wenn aber das Faszinosum Fotografie größer wird, und vor dem Spaziergang schon das Betteln losgeht, doch bitte Papas Kamera haben zu dürfen, spätestens dann wird es Zeit, einen Gedanken an das nächste größere Fest (Weihnachten oder Geburtstag) zu verschwenden. Damit verbunden ist natürlich immer die Frage: Wieviel Geld soll dafür ausgegeben werden – eine Frage, die natrülich abhängt vom persönlichen Budget, aber auch davon, in welchen Dimension in der Familie geschenkt wird.

Eine alte Panasonic tut es für den Anfang.
Die Panasonic SV-AS 10. Eist die kleinste Digitalkamera ever, heute mit lächerlichen Features. Für den Start aber perfekt.
Nicht schlecht für eine alte Panasonic.
Die. Bilder sind teilweise gar nicht so schlecht. Von A.,6 Jahre.

Unsere Erfahrung: Wenn es um das Fotografieren mit Kindern geht, darf es gerne gebraucht sein, solange die Kamera aussieht wie eine richtige Kamera und man das damit tun kann, was die Großen auch machen: Fotografieren und dabei an der einen oder anderen Schraube drehen. Auch wenn die erste “Schraube” sicherlich nur der Autofocus ist. Sowohl von Sony (DSC) als auch von Canon (IXUS) gibt es Kompaktkameras für deutlich unter der 100€-Grenze – nach unserer Erfahrung aber kann auch eine gut erhaltene gebrauchte Kamera – vielleicht aus der Modellfamilie, mit der auch die Eltern arbeiten, genauso günstig sein, aber vielleicht sogar mehr bieten. In unserem Fall war das eine Sony Alpha 5000, die sogar über die Möglichkeit verfügt,ein anderes Objektiv aufzusetzen, wenn die Zeit gekommen ist. Für die Suche nach richtigen Kamera gilt: Der Weg über ebay-Kleinanzeigen führt hier mittelfristig zum Erfolg.

Wichtig ist: Neben einem funktionierenden Autofocus und den klassischen “Modi” (wie Makro, Sport etc.) sollte der Akku in einem guten Zustand sein. Wie bei allen elektronischen Geräten frustriert Kinder nichts mehr, als wenn etwas aus so banalen Gründen wie fehlenden Akkus oder Batterien nicht funktioniert. Insbesondere hier sind die Eltern gefragt: Kümmert Euch weniger um die Menüeinstellungen, sondern darum, dass die Akkus immer geladen sind.

Sony Alpha 5000 - der perfekte Start.
Upgrade: Die Sony Alpha 5000. Mit Wechselobjektiv, RAW und allem, was man zum Lernen (und Wachsen) braucht.
Damit können Kinder ordentliche Bilder machen.
Oberfranken mit den Augen eines Siebenjährigen gesehe.

Weiteres Zubehör ist in der Regel nicht notwendig – außer einem Kameragurt und vielleicht einer Kameratasche, die es möglich macht, das gute Stück auch geschützt zu transportieren. Natürlich kann man mit einem Blitz die Einsatzmöglichkeit der neuen Kamera noch vielfältiger gestalten – auch auf die Gefahr hin, dass man am Sonntag morgen wachgeblitzt wird. Auch eine Glaskugel, durch die man die Welt “auf den Kopf” stellen kann, mag Spaß machen. Notwendig ist dies alles nicht. Wichtiger ist die Geduld der Eltern, wenn es darum geht, Funktionsweisen zu erklären – und den vermeintlich “falschen” Einsatz mit der vermeintlich “falschen” Einstellung auszuhalten. Denken Sie daran: Nicht SIE stehen hinter der Kamera, und es ist nicht IHR Bild. Sie können helfen – müssen aber nicht steuern.

Die Glaskugel - nett, aber kein Muss.
Kann, muss aber nicht.

Tip 4: Die Kinder posten ihre Bilder – oder lassen posten

 Sicher der schwierigste Tipp. Schließlich muss man eben gerade nicht früh genug mit Instagram und Co – und damit mit dem Gucken auf “Likes” und “Herzchen” – anfangen. Andererseits: Das Veröffentlichen der eigenen Werke gehört nun mal dazu, und solange die Eltern sowohl das Posten als auch das Überwachen übernehmen, ist dagegen nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Auch digitales Lob ist Anerkennung und Ansporn.


Drucken macht Spaß

Nicht jeder hat einen Fotodrucker zuhause – oftmals aber den Drogeriemarkt um die Ecke. Natürlich freuen sich Kinder, wenn man das lustige Bild auf dem Display ansehen oder es über WhatsApp an den Onkel schicken kann. Der Stolz über ein schönes Bild – und was schön ist, darüber entscheiden die Fotografen und nicht die Eltern – ist jedoch ungleich größer, wenn das Bild ausgedruckt an der Wand hängt. Bei einem Stückpreis von wenigen Cent ist es auch unerheblich, wie lange das Bild dann hängt.

Ganz andere Einsatzmöglichkeiten für das Fotografieren mit Kindern ergeben sich natürlich dann, wenn es um Weihnachtsgeschenke für die Verwandtschaft geht. Bilder der Enkel im Jahreskalender erfreuen auch dann, wenn sie nicht den fotografischen Ansprüchen der “Großen” entsprechen.


Tip 5: Weiteführende Links

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